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Raye7

Eine ägyptische Mitfahr-App mit Punktesystem.

Die Idee zu Raye7 (arabisch für „gehen") kam Samira Negm während ihrer täglichen Pendelfahrt von ihrer Kairoer Wohnung ins Büro. „Jeden Tag fünf Stunden im Stau stehen. Das ist zu viel," befand die 27-jährige. Während einer Geschäftsreise in Stuttgart hatte sie Mitfahrzentralen kennengelernt. In Ägypten gilt es allerdings als gefährlich mit Unbekannten mitzufahren, die meisten Menschen planen ihre Fahrten nicht so weit im Voraus und Geld unter Privatpersonen zu tauschen gilt auch als unangenehm.

Die Grundidee jedoch, dass Bürger sich selbst organisieren um ihre Probleme zu lösen, statt auf den korrupten und inkompetenten Staatsapparat zu warten, erschien Samira einleuchtend. Das war genau das Prinzip, welches in der ägyptischen Revolution gut funktioniert hatte. So begann sie ein Konzept für eine eigene MitfahrApp zu entwickeln. Diese umgeht das Sicherheitsrisiko einer völlig offenen Plattform indem Nutzer soziale Kreise identifizieren, denen sie sich zugehörig fühlen.

Absolventen einer der Privatunis, aber auch Arbeitskollegen, teilen viele Gemeinsamkeiten, können einfach online verifiziert werden und daher problemlos miteinander ein Auto teilen. Das gleiche gilt für die eigenen Facebook-Freunde. Statt Fahrten im Voraus anzumelden bekommen Nutzer von Raye7 Nachrichten zu aktuellen Mitfahrmöglichkeiten übers Smartphone gepusht.

Und um das unangenehme Gefühl bei der Geldtransaktion zu umgehen, arbeitet die App mit einem Punktesystem. Autobesitzer können fürs Mitnehmen Punkte sammeln und sie gegen Geld oder eigene Mitfahrten eintauschen. Mitfahrer ohne Autos zahlen mit Punkten, die von ihrer Handyrechnung abgebucht werden.

Die Zielgruppe der App - junge Berufstätige und Universitätsstudenten - springt der Gründerin zufolge nicht auf die Dienstleistung an, weil sie hilft, die grauenhaft hohe Smogbelastung der 18 Millionen Metropole zu reduzieren. Vielmehr können Autobesitzer etwas Geld verdienen und die steigenden Benzinpreise kompensieren. Zudem sind sie auf ihren langen Autofahrten nicht allein. Mitfahrer ohne eigenes Auto wiederum sparen sich Busse und Metro, wo viele Frauen sich sexuell belästigt fühlen, bzw. teure Taxifahrten. Wenn die Umwelt auch noch davon profitiert, ist das nur eine nette Begleiterscheinung.

Diesen Case haben wir auf unserer Forschungsreise Lab Around the World entdeckt.

raye7.com

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