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Tahrir Academy

Diese Lernplattform wollte das dysfunktionale ägyptische Bildungssystem reformieren.

Die Tahrir Academy war eine Online Lernplattform aus Ägypten. 2012 ins Leben gerufen, war die NGO ein Produkt der Aufbruchsstimmung nach der ägyptischen Revolution. Das Startkapital stammte von Wael Ghonim, einem ihrer bekanntesten Protagonisten, der die Erlöse seines Buchs "Revolution 2.0. - The Power of the People is Greater Than the People in Power" zur Verfügung stellte. Ziel war es, das dysfunktionale ägyptische Bildungssystem zu reformieren: In einer Bildungsstudie des World Economic Forums belegt das Land Platz 145 von 148 - fast 40 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten.

Über die eigene Website, einen Youtube Kanal, sowie Apps bot die Academy 700 Videokurse an (Stand April 2015). Die Nutzerzahlen konnten sich sehen lassen: Es hatten sich über 120.000 Schüler zwischen 13-18 Jahren angemeldet und über 15 Millionen Minuten online gelernt. Doch da Klickzahlen alleine nicht aussagekräftig sind, hatte die Tahrir Academy einen eigenen Erfolgsindex, den Learner Satisfaction Index, entwickelt, in den Likes, Verweildauer, Feedback- und Interaktionsfrequenz einflossen.

Doch Inhalte alleine online zu vermitteln, reichte den Machern der Tahrir Academy nicht aus. Die wenigsten Schüler interessieren sich so für Bildung, dass sie deshalb den Weg ins Internet finden. Stattdessen setzte die Academy auf ein Blended Learning Angebot: Die Online Tutorials (zum Teil selbstproduziert, z.T. von der Khan Academy und anderen übernommen) wurden durch Tests, Diskussionsforen und Textdokumente ergänzt. Gamification-Elemente sollten die Schüler bei der Stange halten – für absolvierte Aufgaben gab es Punkte, mit denen Schüler untereinander wetteifern konnten.

Darüber hinaus hatte die Academy aber eine wichtige Offline-Komponente entwickelt: Auf der Website fand sich ein Werkzeugkasten, den Lehrer, Eltern, NGOs oder interessierte ältere Schüler herunterladen und als Unterlagen für den Präsenzunterricht verwenden konnten. „Momentan verwenden wir viele Energien darauf die Community zu unterrichten, wie die diese Materialien für den besten Lernerfolg einsetzen können", berichtete Business Development Managerin Alyaa Said. „Dieser Mix aus Online und Offline macht das Besondere an unserem Angebot aus."

Neben dem Startkapital finanzierte sich Tahrir Academy durch Gebühren, die Drittanbieter (z.B. die Khan Academy) zahlen, um in der arabisch sprachigen Welt präsent zu sein. Zudem sponserten einzelne internationale und nationale Unternehmen die NGO.

Diesen Case haben wir auf unserer Forschungsreise Lab Around the World entdeckt.

Im August 2015 hat die Tahrir Academy bekannt gegeben, dass sie ihre Aktivitäten aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln leider einstellen muss.

tahriracademy.org

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