3D Print und Maker Movement

An jeder Straßenecke ein Maker-Space, in dem man seine Sachen einfach ausdrucken lässt.

Achtung, schon wieder Disruption! Auch 3D-Druck und das neue Maker-Movement werden die Welt grundlegend verändern. Sagt man. Aber was sagt jemand dazu, der tatsächlich mit 3D-Druckern Menschen in Not hilft? Wie hilfreich ist die Technologie im sozialen Bereich? Ein Interview mit Andrew Lamb, der mit seiner Organisation Field Ready unter anderem wichtige Ersatzteile in Katastrophengebieten druckt.

- Autor: Lennart Laberenz

Dieser Text ist im trendradar_2030 Magazin erschienen (PDF Download). 

Der Einfluss von Maker-Spaces weltweit

Herr Lamb, welche Rolle spielen Maker-Spaces, diese offenen Werkstätten, für die SDGs?

Ich glaube, dass das Maker-Movement in reichen Ländern bisher als Hobby angesehen wurde. Aber für immer mehr Maker hat Selbermachen auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Wir müssen besser verstehen, wie Produkte lokal produziert werden können. So können wir uns von den umweltschädlichen Lieferketten befreien und nicht nur für Leute in reichen Ländern Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Mit einem wachsenden Maker-Space-Movement entwickeln wir so etwas wie die lokalen Fabriken der Zukunft. Gerade erleben wir immer häufiger, wie Menschen in Schwellenländern, an Orten, die durch klassische Lieferketten nicht erreicht werden, eigene Unternehmen aufbauen. Hier zeigt sich die Verbindung zwischen dem Maker-Space und den Zielen für nachhaltige Entwicklung sehr deutlich, wenn wir nämlich die Bereiche menschliche Entwicklung, Bildung, Nachhaltigkeitsaspekte und die lokale Wirtschaft miteinander verbinden.

 

Wie unterscheiden sich die Maker der Länder von denen in armen Ländern?

Die Weltgemeinschaft hat sich auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung, die SDGs, geeinigt. Die Länder haben also Budgets, um Hilfe zu leisten. Und seit vier, fünf Jahren zeigen auch die Hilfsorganisationen Interesse an Innovationszentren, den „Incubators“, Tech-Zentren und Maker-Spaces. Bisher wurde vor allem daran gearbeitet, die Geschäftsmodelle von Maker-Spaces reicher Länder auf die der Schwellenländer zu übertragen. Aber es ist klar, dass ein Maker-Space in Berlin, San Francisco oder Hongkong etwas anderes ist als ein Maker-Space in Nairobi, Juba oder Tacloban. Erstens verstehen wir, dass die Geschäftsmodelle nicht eins zu eins übertragbar sind. Die Menschen in armen Ländern haben einfach nicht genug Geld, klar. Außerdem sind die Mitgliedsgebühren in den Maker-Spaces nicht hoch genug, um die Investitionskosten zur Anschaffung von Geräten und Werkzeugen zu decken. Mit dem durchschnittlichen Jahreseinkommen eines Südsudanesen ließe sich nur ein Zehntel einer entsprechenden Maschine kaufen.Wir stellen also fest, dass die Beweggründe für Menschen in Schwellenländern, an Maker-Spaces teilzunehmen, woanders liegen. Sie sind eher daran interessiert, Geschäftsmodelle aufzubauen.

Also stehen der hobbyorientierten Motivation in den reicheren Ländern geschäftsorientierte Interessen in den Schwellenländern gegenüber?

Genau. Und das Spannende daran ist, dass Hilfsorganisationen allmählich auch diesen Unterschied wahrnehmen. Gerade wird versucht – unter anderem auch mit meiner Organisation –, wie sich das ökonomische Potential rund um Maker-Spaces nutzen lässt. Wir untersuchen besonders Lieferketten und stellen fest: Es gibt da neue Möglichkeiten, qualitativ hochwertige Artikel an relativ entlegenen Orten herzustellen. Das können wir mit Hilfe eines Maker-Space erreichen. Wenn wir diese Maker-Spaces weiter entwickeln, lassen sich auch komplexere medizinische Geräte herstellen. Teilweise sind wir schon soweit – wir haben in Kliniken in Haiti gearbeitet und elektronische Ersatzteile in den Ausläufern des Himalayas hergestellt.

Wandel der Produktion

Ist das der so oft erwähnte Wandel der Produktion, von der Sie da sprechen?

Ja, die Rede ist von der vierten industriellen Revolution, die mit einer weit verbreiteten Herstellung von Produkten in geringen Mengen verbunden ist. Aus der Massenproduktion wird langsam aber sicher eine Produktion durch die Massen. Und darin liegt ein riesiges Potential, Arbeitsplätze in Gesellschaftsschichten mit geringen Einkommen zu schaffen, sowohl in Schwellenländern als auch in ökonomisch entwickelten Ländern.

Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die rechtlichen Rahmenbedingungen aus? Wenn es um Katastrophenhilfe geht, hat wohl keiner rechtliche Einwände, dass man einen dringend benötigten Gegenstand herstellt, um Leben zu retten oder eine Wasserleitung zu flicken. Bekommt man aber nicht im kommerziellen Bereich rechtliche Probleme?

Absolut! Wir sehen uns gelegentlich auf Messen die Hersteller von Wasserleitungsequipment an. Wir schauen, wie die Produkte aussehen und wie sie hergestellt werden. Im Grunde genommen schaden wir ihrem Geschäft, da wir versuchen, ihre Produkte lokal herzustellen. Aber der Unterschied ist, dass wir diese Dinge wahrscheinlich an Orten herstellen, welche die ursprünglichen Hersteller mit ihren Lieferketten gar nicht erreichen könnten. Zurzeit lassen sie das noch so durchgehen. Sie sagen sich, dass die Menschen immer schon Ersatzteile hergestellt und ihre Produkte repariert haben, und sie verbuchen das, was wir tun, als eine neue Art Reparatur. Aber für das Maker-Movement stellen sich andere entscheidende Fragen, und zwar die nach dem geistigen Eigentum und der Gewährleistung. Je nach Rechtsprechung und dem Grad an „Reverse Engineering“ bzw. Nachkonstruktion können wir damit umgehen. Im Grunde geht es aber um die Frage der Haftung, weil das Patent erst die Garantie rechtsgültig macht. Wir stehen also vor einem riesigen Komplex aus Haftungsfragen.

 

Wie gehen Sie damit um?

Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben angefangen, Nabelschnurklemmen in Haiti zu drucken. Diese Klemmen können zu einer Infektion führen – eine Sepsis durch die Nabelschnur ist eine ziemlich weit verbreitete Todesursache an Orten wie Haiti. Gäbe es vor Ort ein Rechtssystem, das dem nachgehen könnte, wer dafür zu belangen ist, wie würde entschieden werden? Ist die Mutter schuld, weil sie eingewilligt hat, eine neue Technologie zu benutzen? Das glauben wir nicht. Ist es die Schuld der Krankenschwester oder Hebamme? Weil sie vielleicht die Klemme nicht desinfiziert hat? Oder ist es die Schuld des Herstellers, der die Klemme im gleichen Raum gedruckt hat? Vielleicht war der Drucker nicht steril und entsprach nicht den Qualitätsnormen? Oder ist die Person verantwortlich, die die Klemme entworfen hat? Was „Field Ready“ damit meint ist, dass der individuelle 3D-Druck genauso professionell sein muss wie die Herstellung medizinischer Geräte irgendwo sonst auf der Welt. Die Geräte, die wir lokal herstellen, müssen den neuesten Standards entsprechen. Erst wenn wir einen Entwurf und ein Produkt bekommen, das diesem Standard entspricht, zertifizieren wir es als „Field Ready“. Dass wir unsere eigenen hohen professionellen Standards pflegen und Leute in der Organisation haben, die sich nur darum kümmern, ist heute ein Teil der Lösung. Und doch liegt hier das nächste Problem. Wenn wir auf einmal den Entwurf mit einem anderen Maker teilen, ist vielleicht der Entwurf fertig, aber der Vorgang nicht. Also müssen wir auch den Herstellungsprozess codieren. Solange du dem Vorgang, dem Rezept genau folgst, ist das Produkt dann „Field Ready“.

Das Maker-Movement und NGOs

Wie steht es um die Beziehungen zwischen den Makern und großen Hilfsorganisationen?

Von Fall zu Fall haben wir generell kein Problem. Wir können eine kleine Anzahl von Artikeln in einem kontrollierten Kontext herstellen. Damit sind die Hilfsorganisationen bisher zufrieden. Es löst ihr Lieferkettenproblem. Sie beschreiben ihre Lieferketten oft als langsam, umständlich und teuer. Mit Blick auf Maker und 3D-Druck sehen die NGOs ein, dass sie hier einen größeren Anteil der Hilfsgelder in die lokale Wirtschaft investieren können, was wiederum im Sinne der SDGs ist. Sie können Ortsansässige einstellen und Arbeitsplätze schaffen. Sie sehen dann vielleicht auch die ökologischen Vorteile, da man für manche Artikel lokale Abfälle oder Materialien verarbeiten kann. Was wir gerade in Kenia und Nepal herauszufinden versuchen: Wie können wir eine größere Anzahl von Artikeln herstellen? Wie können wir von Unikaten zu Produktionsmengen im kleinen Maßstab übergehen? Und das natürlich so nah wie möglich in Gebieten, die Hilfe benötigen. Aber dann fragen sich die NGOs, ob man noch von einem identischen Produkt mit identischer Qualität sprechen kann, wenn 2.000 Nabelschnurklemmen in 100 verschiedenen Kliniken über ganz Nepal verteilt hergestellt werden. Diese Frage ist für sie von höchster Priorität, direkt gefolgt von der Kostenfrage. Sie wollen aber nicht hundert verschiedene Menschen anstellen, die jeweils zwanzig Dinge produzieren. Ihnen ist ein einziger Lieferant und ein Verteiler lieber. Wir arbeiten also noch an geteilten Auftragssystemen.

 

Wie antworten Sie auf die Kostenfrage der NGOs?

Wir investieren ziemlich viel in die finanzielle Auswertung der Projekte. Wenn wir zeigen können, dass eine Hilfsorganisation bei einer Nabelschnurklemme 50% der Kosten sparen kann – und wir meinen, dass wir sogar nur 20 % der Kosten entstehen lassen –, dann können wir auch nachweisen, dass die Organisation in der Lage wäre, doppelt so vielen Menschen zu helfen.

 

Das hört sich nach einem ziemlich einfachen Beweis an.

Nun ja, die technischen Abteilungen begreifen das noch nicht. Sie kümmern sich stark um Qualitätsaspekte. Also müssen wir weiter forschen und weiterentwickeln. Aber allmählich bewegen wir die Menschen, die die Budgets bewilligen, zum Umdenken.

Wie reif ist das Maker-Movement wirklich?

Es gibt also noch viel zu tun. Wie reif und einflussreich ist das Maker-Movement zur Zeit wirklich?

Wir müssen weiter forschen und entwickeln. Jedoch produzieren wir gerade Artikel zu 5 % des Verbraucherpreises verglichen mit einem international produzierten Artikel. Wir fangen gerade an, das riesige Potential von Mikroproduktion aufzuzeigen, weisen Hilfsorganisationen nach, dass der Gewinn den lokalen Gemeinschaften und den Menschen, die von Katastrophen betroffen sind, zugute kommen kann. Das ist also sinnvoll. Der Übergang wird mühsam, weil es in jeder Organisation schwierig ist, die Beschaffungsprozesse zu ändern. Wenn wir denen auf einmal sagen, dass wir Dinge lokal herstellen können, antworten die Organisationen zwar normalerweise: „Super, das hört sich toll an”. Aber wenn man einen Fünf- bis Zehnjahresvertrag mit einem bestimmten Zulieferer hat und es eine Wettbewerbsverbotsklausel gibt, platzt ihre Rechtsabteilung dazwischen und unterbricht das Ganze. Wir arbeiten uns zurzeit noch daran ab, leistungsfähiger zu werden, indem wir auf lokale Produktion setzen. In den nächsten fünfzehn Jahren wird sich das als wichtigster Trend herausstellen. Die meisten Hilfsorganisationen führen auch bereits Richtlinien für lokale Beschaffung ein. Der nächste Schritt ist dann die Frage, ob die Hilfsgelder tatsächlich entsprechend verteilt werden.

 

Also mehr Geld für 3D-Drucker?

Nicht nur. Im ersten Schritt heißt das, dass man nach einer Katastrophe, Geld statt CarePakete verteilt. Die Betroffenen gehen damit zu den örtlichen Märkten und kaufen sich, was sie ihrer Meinung nach brauchen. Ich stelle mir einen Marktplatz vor, wie es ihn derzeit in jedem großen Flüchtlingslager gibt. Aber in der Mitte des Markts gibt es einen Maker-Space, in den die Flüchtlinge gehen und sagen: „Mein Schuh muss unbedingt geflickt werden”, „Ich brauche unbedingt einen Haken für diese Lampe”, „Ich brauche etwas, was mich nachts warm hält”. Mit dem Bargeld können sie von „Field Ready“ oder wem auch immer ausgebildete Flüchtlinge bezahlen, die das herstellen, was benötigt wird. Wenn es keine Versorgung gibt, wenn also ein Produkt auf dem Markt fehlt, dann stellt man die Dinge eben je nach Bedarf her.

 

Stichwort Partikularinteressen: Bis zu welchem Grad sind große Organisationen oder gar supranationale Organisationen wie die UNO gewillt, das massive Potential der Maker-Space-Idee wahrzunehmen?

Ich glaube, ich bin Idealist und Optimist. Ich glaube an die Kraft, Ziele zu verfolgen, auch an die der humanitären Ziele. Ich glaube, dass die SDGs ernst gemeint sind. Wir hören zurzeit viel von evidenzbasierter Programmgestaltung in dem Bereich. Nicht unbedingt das Handeln aus guter Absicht steht im Fokus, sondern Handeln nach einer erwiesenermaßen funktionierenden Methode. Es gibt also eine weitreichende Veränderung, die uns zugute kommt. Ich mache mir nur sorgen, dass diese Veränderung zu langsam vonstattengeht. Also hat es bei uns Priorität, genügend Early Adopter, genügend Menschen zu finden, welche die neuen Technologien schnell übernehmen und verbreiten. Eine Herausforderung ist auch die Trägheit bürokratischer Systeme. Und die Eigeninteressen der Lieferketten in Hilfsorganisationen. Tatsächlich kann das bis zur Staatsebene gehen. Ich denke da an Zollbeamte oder staatseigene Industrien, deren Rolle sich auf einmal verkleinert. Oder die Unterwanderung der Industriepolitik durch das, was wir in der letzten Generation an Wirtschaftsuniversitäten gelernt haben. Die Vorstellung, dass man erst Fabriken aufbauen muss, um einem Produkt Wert verleihen zu können. Aber was ist, wenn du auf einmal überall Leute hast, die mit Druckern auftauchen und Sachen selber machen? Kürzlich war ich in Shenzen. Die Stadtverwaltung versucht dort, sich als Maker-Stadt zu vermarkten und unterstützt die Bevölkerung bei der Anschaffung von Druckern.

 

Kann das ein Vorbild für Hilfsorganisationen sein?

Sie können davon lernen. Zwar gibt es noch institutionelle Hindernisse, wirtschaftspolitische Entscheidungen und Machtverhältnisse, mit denen wir umgehen, die wir in Frage stellen, verändern oder umstoßen müssen. Meiner Meinung nach aber sind die SDGs und die humanitäre Pflicht, notleidenden Menschen zu helfen, auf unserer Seite.

 

Welche Maßnahmen sollten Regierungen in den nächsten 13 Jahren ergreifen, um das Maker-Potential ausschöpfen zu können?

Zunächst müssten Bildungs- und Berufsausbildungsprogramme angepasst werden. Wir brauchen mehr praktische Kompetenzen zu den neuen Technologien. Berufsausbildungen beinhalten oft Fächer wie ‚Wie werde ich Maurer?’. Oder – ‚Wie sägt man Holz?’. Wir müssen aber den Blick auch auf digitale Herstellungstools lenken. Zweitens sollten wir uns auf die Lebensgrundlagen der Menschen konzentrieren: Arbeitsplätze. Wir sollten uns vom politischen Ziel entfernen, alles zu tun, damit ein Automobilwerk oder eine Laptop-Produktionsanlage in unserem Land oder Distrikt steht. Stattdessen eine Strategie entwickeln, dass jeder Distrikt oder jedes Land eine verteilte Produktionskapazität hat. Ich stelle mir die Zukunft im Jahr 2050 als eine Zeit vor, in der es an jeder Straßenecke eine kleine kioskartige Werkstatt, einen Maker-Space, gibt, in den du gehen kannst, um Sachen genauso einfach hergestellt zu bekommen, wie wenn du auf den Markt zum Einkaufen gehst. Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Anstrengungen der Regierungen auf die massenweise Produktion in kleinen Mengen und nicht auf eine kleine Anzahl von Massenproduzenten richten.

 

Das fordert die Machtverhältnisse der globalen Produktion gehörig heraus.

Ja, das stimmt. Die bestehenden Machtverhältnisse in und zwischen ökonomisch entwickelten und unterentwickelten Ländern werden sich ändern. Es kann gut sein, dass Leute, die ein persönliches Interesse am Status quo haben, etwas von ihrer Macht abgeben müssen. Das Maker-Movement spricht deswegen oft von der ‚Demokratisierung’ der Produktion – die Menschen erhalten Macht, indem die Produktionsmittel neu verteilt werden. Wenn alle in der Lage wären, einige Produkte selber herzustellen, käme das aber auch allen zugute. Wir machen uns zu Hause Kaffee, und trotzdem laufen die Cafés ausgezeichnet. Wir drucken zu Hause und dennoch gibt es weiterhin Printshops und Verlage. Was wir meiner Meinung nach brauchen, ist Weitblick und politische Führung, wie wir sie aus Top-down-Prozessen wie der breit angelegten Einführung des Internets kennen. Von der UNO unterstützte, regierungsübergreifende Prozesse wie die Weltkonferenz zur Informationsgesellschaft, die das Internet der Welt zugänglich gemacht hat, besonders den armen Ländern, um den digitalen Graben zu überwinden. Warum nicht auch eine Weltkonferenz zur Maker-Gesellschaft? Es fehlt auch noch die Art von Vision und überpolitischer Führungskraft, wie wir sie bei Bottom-up-Prozessen wie der Open-DataBewegung erlebt haben. Viele Regierungen und Unternehmen ließen sich von einer globalen Gemeinschaft davon überzeugen, ihre Daten für alle kostenlos zur Verfügung zu stellen. Mit der richtigen Führung finden Top-downund Bottom-up-Vorgänge zueinander. Die Machtverhältnisse passen sich dann an eine neue Art von Business an. Mit der Unterstützung von Präsident Obama in seinem ersten Amtsjahr ist zum Beispiel eine neue Führung und politische Legitimierung in der Open-Data-Bewegung entstanden. Diese Open-Government-Partnerschaft reicht jetzt rund um die Welt und soll Regierungen motivieren und dabei unterstützen, ihre Daten freizugeben. Wieso sollte dann nicht auch eine Maker-Movement Partnerschaft zwischen Regierungen möglich sein?

Fazit

Welchen Einfluss haben aktuelle politische Veränderungen à la Donald Trump auf das Maker Movement?
Unter Obama hat das White House Office for International Science and Technology Policy die neuen Maker-Entwicklungen unterstützt, wir haben uns mit ihnen ausgetauscht. Im Grunde genommen ist uns mit dieser Regierung die Zeit davongelaufen. Was die Trump-Regierung diesbezüglich tun will oder wie sich Trumps Politik auf eine weltweite lokale Produktion auswirken wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Interessanterweise könnte das Maker-Movement vom Protektionismus aber profitieren. Wenn man sich zum Beispiel jetzt vom Freihandel verabschiedet und die Zolltarife steigen, so kann es aus reiner Notwendigkeit dazu kommen, dass in Produktionsprozesse innerhalb der eigenen Grenzen investiert wird. Donald Trump sagt ganz klar, dass er keine Arbeitsplätze aus dem Produktionssektor nach China oder Mexiko exportieren will. Das kann dazu führen, dass lokale Produzenten, also auch Maker, gestärkt werden.

Ich stelle mir die Zukunft im Jahr 2050 als eine Zeit vor, in der es an jeder Straßenecke eine kleine kioskartige Werkstatt, einen Maker-Space, gibt, in den du gehen kannst, um Sachen genauso einfach hergestellt zu bekommen, wie wenn du auf den Markt zum Einkaufen gehst. Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Anstrengungen der Regierungen auf die massenweise Produktion in kleinen Mengen und nicht auf eine kleine Anzahl von Massenproduzenten richten.