©flickr / Kanu Hawaii

Carrotmob

Keine Sitzblockaden mehr, keine Protestplakate: Die Netzwerkorganisation Carrotmob verzichtet auf Randale und setzt auf Veränderung durch kollektives Geldausgeben.

Carrotmobber tun sich an einem bestimmten Tag zusammen, bestürmen on- oder offline ein Geschäft und geben dort so viel Geld aus, wie ihnen möglich ist. Im Gegenzug dazu verpflichtet sich der Geschäftsinhaber, einen vorher festgelegten Teil der Umsatzsumme für eine nachhaltige Maßnahme, beispielsweise Ökostrom für seinen Laden oder fairen Kaffee für sein Café, auszugeben. Ein Carrotmob ist also ein Weg, Handel und Unternehmen positiv zu beeinflussen und so zu nachhaltigem Wirtschaften zu bewegen. Quasi ein Buycott als Alternative zum Boykott.

Der Name Carrotmob steht übrigens genau für diese Idee: Es gibt zwei Wege, einen Esel zum Laufen zu bringen: Entweder lockt man ihn mit einer Karotte, oder schlägt ihn von hinten mit dem Stock. Brad Burton, einer der Initiatoren des ersten Carrotmobs: "Wir halten der Wirtschaft die Karotte hin."

Um die Smartmobs, so nennt sich diese Variante des Flashmobs, zu organisieren, stellen die Macher umfangreiche, gut aufbereitete Leitfäden und eine leicht zu nutzende Kampagnen-Website zur Verfügung. Möchte man einen Carrotmob in seiner Stadt initiieren, kann man auf der Kampagnen-Website das Ziel des Smartmobs vorstellen und die Maßnahmen auflisten, die der Geschäftsführer umsetzen würde. Ist der Mob von den Chef-Carrotmobbern genehmigt, kann man ganz leicht per Facebook die Aktion bekannt machen. Hat die Aktion dann stattgefunden, wird der erreichte Umsatz veröffentlicht und berichtet, was nun mit dem Geld geschieht. Die Wirkung der Aktionen ist also gut nachzuvollziehen.

Das weltweite Netzwerk des Carrotmobs organisiert sich vor allem über Facebook. Für fast alle weitergehenden Informationen und Aktionen auf der Carrotmob-Website muss man sich mit seinem Facebook-Account einloggen und wird so automatisch mit den über 17.800 Facebook-Freunden von Carrotmob vernetzt. Das schafft die Möglichkeit einer schnellen Kontaktaufnahme mit Mob-Experten oder potenziellen Mitstreitern. Auch kann man so schnell herausfinden, wo bald ein Carrotmob stattfindet und sich diesem spontan anschließen. Erleichtert wird die Übersichtlichkeit der Weltweiten Kampagnen auch mit einer Karte, auf der alle anstehenden Mobs verzeichnet sind. Neben den üblichen Social Media Kanälen (Twitter, Blog, Tumblr) nutzt der Carrotmob auch sehr schicke Survey-Tools für Umfragen zu den eigenen Usern (so können Inhalte besser abgestimmt werden) und hat eine virtuelle Ideenbox, in die man als Nutzer mal eben schnell Anregungen und Fragen posten kann. Für größere Kampagnen greift der Carrotmob auch auf andere Tools, wie beispielsweise Google docs oder das Wissensportal Quora, zurück.

2012 haben weltweit 65 Carrotmobs stattgefunden, an denen von Bangkok bis Berlin zwischen fünf bis 1.500 Personen teilgenommen haben. Auch gab es einen ersten globalen Carrotmob in Zusammenarbeit mit der Firma Thanksgiving Coffee, bei dem 31.000 US-Dollar umgesetzt wurden – das lag allerdings weit unter dem Ziel von 150.000 US-Dollar. Dennoch zieht die Oragnisation auf ihrem Blog ein umfassendes und ehrliches Fazit. Ganz im Sinne einer Politik des produktiven Scheiterns. Auch sonst ist Carrotmob noch nicht ganz so groß, wie es die starke Social Media Präsenz suggeriert. Seit der Gründung 2008 gab es weltweit 250 Aktionen. Das könnte sich mit dem neuen Partner, den die Organisation gefunden hat ändern – seit Oktober 2012 ist Unilever Teil der Carrotmob-Community.

carrotmob.org

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