Pembient

Nashorn aus dem 3D-Drucker soll Wilderern die Profite abspenstig machen und den Nashörnern das Leben retten.

Drogen, Waffen, Menschenhandel. Das sind die Top 3 der Schwarzmärkte. Auf Platz 4 folgt der Handel mit illegalen Tierprodukten, wie zum Beispiel Elfenbein und Nashorn. Ein Markt mit einem Volumen von 20 Milliarden US-Dollar, ein Markt, der in den letzten Jahren regelrecht explodiert ist und aufgrund der gewaltigen Profite immer mehr Akteure anzieht.

Während in den frühen 90er Jahren ein Kilo Nashorn zwischen 250 und 500 US-Dollar kostete, liegt der Preis nun bei gigantischen 70 000 US-Dollar. Woher dieser Anstieg? In der traditionellen chinesischen Medizin gilt Nashornpulver schon seit dem 7. Jahrhundert als Heilmittel gegen Fieber und Leberbeschwerden. Der Preis für das kostbare Gut ist allerdings erst durch die Decke gegangen, als sich 2008 ein Gerücht verbreitete, dass ein vietnamesischer Politiker dadurch von seinem Krebs geheilt worden war. Und in diesem Fahrwasser verwandelte sich das Pulver dann auch noch in ein Luxus-, in ein Partyprodukt; in einer Gesellschaft, die immer reicher wird, aber gleichzeitig in Sachen Luxusprodukte immer noch stark reglementiert ist. 

Während sich also im fernen Asien wohlbetuchte Menschen Nashorndrinks hinter die Binde kippen, verbluten die Rhinos im südlichen Afrika, weil sie von Wilderern einfach ohne Horn liegen gelassen werden. Ranger halten die Hand auf für Bestechungsgelder. Wie soll man dieser Lage bloß Herr werden, wenn das schnelle Geld lockt? In Habitaten, die so groß wie unkontrollierbar sind?

Matthew Marcus und George Bonaci verfolgen einen radikalen Ansatz: Sie wollen den Markt für Nashörner komplett auf den Kopf stellen, sie wollen ihn fluten mit billigem Horn und so den Wilderern die Marge und den Rangern das Bestechungsgeld abspenstig machen. Zum einen wollen die Gründer des Start-Ups „Pembient“ die Hörner an Verteiler weitergeben, die es wiederum auf den Markt bringen; und zum anderen direkt in die Gemeinden in Afrika, die auch an dieser Kette verdienen.

Aber erstmal einen Schritt zurück. Was soll dieses billige Horn sein und wo kommt es her? Marcus (Software) und Bonaci (Genetik) haben den genetischen Code des Proteins Keratin geknackt. Daraus besteht das Nashorn. Jetzt replizieren sie das Horn mittels eines 3D-Druckers und wollen so bald wie möglich (2016) den Markt mit den synthetischen Hörnern überschwemmen – hergestellt zu einem Achtel des gängigen, exorbitanten Marktpreises. Also keine Warterei auf langatmige Politik oder Umwelt- und Tierschutzabkommen, sondern die Gesetze des Marktes sollen das Überleben der Nashörner sichern. Schließlich käme es für Zweifler sehr teuer wäre, den Unterschied zwischen echtem und dem Horn aus dem Labor herauszufinden; offizielle Zertifikate gibt es bei illegalen Produkt ohnehin nicht.

Auf diese Kombination zwischen Markt und Tierschutz sind bereits viele aufmerksam geworden. Promis twittern über Pembient, Bonaci war bei einem sehr populären AmA (Ask me Anything) auf Reddit und das Start-Up ist in das Business Accelerator Programm Indiebio in San Francisco gerutscht, von dessen Laborräumen aus es nun versucht die Welt der Nashörner zu retten. Von hier will Pembient später seine Mission weiter ausdehnen, zum Beispiel auf Elfenbein. Während der genetische Aufbau eines Nashorn eher einem Huf gleicht, ähnelt der eines Stoßzahns viel mehr einem Zahn, ist also um einiges komplexer.

Pembient hat also noch einiges vor, stößt allerdings schon jetzt auf Widerstand, überraschenderweise besonders aus dem Lager der Tierschützer. Bisher hat sich Pembient nämlich im ersten Schritt darauf konzentriert, das Nashorn in Pulverform herzustellen und es anderen Produkten zuzuführen, z. B. Getränken und (Schönheits-)Lotionen. Sobald sich festes Horn herstellen lässt, will Pembient das Sortiment noch um Schmuck, Haushaltswaren, Sonnenbrillen, Schachfiguren und Smartphone-Hüllen erweitern. Kritiker befürchten, dass dadurch die Nachfrage nach Nashorn noch weiter befeuert würde. Und auch für offizielle Stellen würde es schwieriger und teurer, das illegale Nashorn von dem legalen Nachdruck zu unterscheiden. Die Behörden kommen schon heute kaum hinterher, da aktuell bereits 90 % des "Nashorns" im Umlauf bereits Fälschungen sind (meistens Büffelhorn).

Pembient.com

Nashorn zum Verkauf in Vietnam / Pembient.com

Gründer George Bonaci und Matthew Markus / Pembient.com

Hilfe aus dem 3D-Drucker

Ein Haus, ein Herz, eine Mahlzeit: für viele unbezahlbar – oder aus dem 3D-Drucker.

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