Kartismus

Immer mehr Daten werden über Karten dargestellt. Wer macht was wann und vor allem wo?

Wo? ist eine der wichtigsten Fragen des Lebens. Dank digitaler Technologien bleibt diese Frage selten unbeantwortet. Über Smartphones lassen sich immer mehr Menschen anzeigen, wo und in welcher Nähe von was sie sind.

Der Trend zum Kartismus ist auch in der digitalisierten Welt ungebrochen, weil Informationen, die auf Karten verortet sind, Übersicht und Orientierung verschaffen. Es ist einfacher, auf einer Karte Abstände einzuschätzen und geografische Zusammenhänge zu erkennen, als diese aus einer Tabelle mit vielen Zahlen abzulesen – der Mensch ist ein visuelles Wesen. Und er ist mit Landkarten bereits aus der analogen Welt vertraut. Sie helfen dabei, Informationen, Menschen und Objekte zu verfolgen, finden, koordinieren und verbinden.

Neben Google Maps (mit seinen ständig neue Funktionalitäten, s. Google for Nonprofits, Rubrik: Google Earth Outreach) werden Karten auch bei anderen Diensten immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit (etwa Nokia Maps). Und für Smartphones ist GPS eine Standardfunktion. Und die Tendenz, alle möglichen Informationen im Internet zu verschlagworten, stellt eine weitere wichtige Grundlage für die neue, intelligente Wissensaufbereitung über Landkarten dar.

20 Millionen Mitglieder checkten seit 2009 mehr als Zwei Milliarden Mal über FourSquare ein und verbinden sich dabei über soziale Netzwerke. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 nutzen bereits 17 Prozent aller Deutschen Kartenfunktionen (bei den 14 bis 29-Jährigen sind es 27 Prozent). In den nächsten Monaten werden wir sehen, das sich immer mehr 2D Landkarten in 3D Repräsentationen der Welt entwickeln werden (s. google Streetview). Die ersten Anwendungen im Bereich der erweiterten Realität (augmented reality) sind bereits vorhanden und ermöglichen es, einzelne Orte und Objekte mit Hilfe einer Smartphone Kamera aufzunehmen und punktgenaue Hintergrundinformationen zu erhalten. Über Programme wie App Layar kann man individuelle Schichten (etwa eine Schicht, die Restaurants anzeigt, eine mit Sehenswürdigkeiten, usw.) anfertigen und über die analoge Welt legen.

Kartismus birgt auch für philanthropische und soziale Informationen großes Potential. So könnte jedem Menschen, der unterwegs und interessiert ist, angezeigt werden, wo in der Nähe ein soziales Projekt ist und welche Hintergrundinfos verfügbar sind: Werden im Altersheim gerade Freiwillige benötigt? Wer Zeit hat, weil beispielsweise gerade ein anderer Termin ausgefallen ist, kann dort vorbeigehen und zwei Stunden vorlesen. Und wer auf Reisen ist, kann mit einem Blick erkennen, ob ein soziales Projekt in der Nähe ist, das einen Besuch wert wäre. Gleiches gilt für ökologische Projekte, die Informationen über Umweltzerstörungen kartieren.

Redundanzen können ebenfalls vermieden werden: Wenn Projekte und Themenbereiche in Karten verfügbar sind, können NGOs Über- oder Unterversorgungen erkennen. Gibt es tatsächlich so viele Blinde, dass ein weiteres entsprechendes Projekt sinnvoll ist? Und der Spender kann auf Karten Budgets und Themen verorten, um sich zu überlegen, ob er sein Geld nicht in Gegenden anlegt, die unterversorgt sind. 

Wer die marktbeherrschenden und datenschutzkritischen google maps vermeiden möchte, kann Landkarten auch kollaborativ erstellen (etwa mit Ushahidi, MapQuest oder Openstreetmap). In diesen Fällen spielen die Trends Glasklar und Mitmachen eine wichtige Rolle. So tragen Rollstuhlfahrer aus aller Welt zum Beispiel auf der kollaborativen Karte wheelmap.org ein, welche Orte barrierefrei sind und wo es Probleme geben könnte – wertvolle Informationen von Betroffenen für Betroffene.

 

 

Fazit

Karten werden immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Sobald es online darum geht, Informationen darzustellen, die eine geografische Komponente haben, erwarten die Menschen eine übersichtliche Karte. Die Anwendung muss aber einen Mehrwert für den User bringen. So sollte der technische Aufwand, die redaktionelle Pflege immer mit dem Nutzen abgewogen werden. Kartismus für drei Projekte zu betreiben scheint vorerst übertrieben. Wer aber eine gewisse Zahl an Projekten oder anderen Orten kommunizieren will, sollte sie kartieren. Menschen lassen sich über Karten auch zum Mitmachen anregen. In Kombination mit GPS-Ortungen liegt im Kartismus noch großes Potential.